In der Holzverarbeitung gibt es immer wieder mal Gründe, um Holz eine andere Farbe zu geben, oft geht es um Kontraste.

Wenn eine einheitliche Struktur (Holzbild) oder wichtiger noch - einheitliches Schwindverhalten benötigt wird, kann mit unterschiedlichen Mitteln gebeizt werden.

Andere farbgebende Möglichkeiten scheiden meist aus, wenn Hölzer noch weiter verarbeitet werden sollen, z.B. verleimen.

Neben Beizen besteht die Möglichkeit, stark gerbsäurehaltige Hölzer zu räuchern. Dazu zählen Eiche, Robinie, Rüster (Ulme), aber auch Nussbaum, Lärche, Tanne und einige mehr.

Beim Räuchern reagiert die Gerbsäure mit Ammoniakdämpfen und bewirkt eine Dunkelfärbung von Holz.


Ammoniak-Lösung (auch Salmiak-Geist) gibt es in verschiedenen Verdünnungen. Je stärker die Lösung konzentriert ist, um so schneller / stärker die Reaktion.


Ammoniak ist basisch, wässrig gelöst also eine Lauge.

Es ist wasserlöslich, stark stechend riechend, farblos und giftig.

Achtung also beim Umgang damit!


Räuchern sollte man deshalb nur in gut belüftbaren Räumen, oder besser gleich draußen.


Die chemische Reaktion erfolgt in der Regel nur an der Oberfläche. Dies ist etwas abhängig von restlicher Holzfeuchte, Gerbsäureanteil, Gaskonzentration und Expositionsdauer.

Aus diesem Grund sollte das Werkstück fertig und auch bis zur letzten Körnung geschliffen sein.


Nach dem Ablüften - ca. 48 h - kann das Werkstück geölt, gewachst oder lackiert werden.


Der Vorgang selbst erfolgt in einem möglichst kleinen und dichtem Behälter.

Das Werkstück soll so platziert werden, dass es von den Dämpfen komplett umspült werden kann. Eine geringe Eindringung des Gases ist vorhanden, also kleine Auflagepunkte machen nichts, eine Schale zum Beispiel mit Fuß sollte allerdings noch Plan aufsitzen, da ansonsten die Standfläche unbehandelt bleibt.

Das Ammoniak wird dann in ein Gefäß mit großer Oberfläche (z.B. Keramikschale, Blechdeckel) gegeben und neben dem Werkstück platziert.

Deckel zu und den Fortschritt kontrollieren.

Sehr gut eignen sich durchsichtige Kunststoffbehälter mit Deckel. Hier kann der Fortschritt kontrolliert werden, ohne das Behältnis öffnen zu müssen.


Meine Naturrandschale aus Robinie hatte ca. 20 % Restfeuchte.

Aus dem Grund erhielt die 3 Beinchen. Sollte sich die Schale im weiteren Verlauf beim Trocknen etwas verziehen, bleibt sie dennoch wackelfrei.

Verwendet wurde ca. 2 cl Ammoniak-Lösung 25 %. Die Schale verblieb 12 Stunden in der Box.


Achtung! Wird das Werkstück im weiteren Verlauf noch geölt, intensiviert sich die Färbung - sie wird also noch etwas dunkler.


Räuchern funktioniert auch bei schon geölten Objekten, weil es sich um eine offenporige Behandlung handelt. Lackierte Oberflächen sind dicht, da reagiert nichts mehr.

Bei noch relativ frisch geölten Werkstücken kann durch das Öl sogar die Reaktion verstärkt werden, da die im Holz vorhandenen Gerbsäuren durch die Feuchtigkeit wieder verstärkt reagieren.


Wie bei vielen anderen Dingen gilt auch hier: ausprobieren und Erfahrungen sammeln.

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Schon seit dem 15. Jahrhundert nutzten Holzhandwerker die durch unterschiedliche holzverfärbende Pilze in toten oder auch lebenden Laubhölzern verursachten vielfältigen Farbausbildungen und verschlungenen Muster von Pilzgrenzlinien als dekoratives Element. Frühzeitig entdeckten auch die Drechsler und Bildhauer das ästhetische Potenzial der bizarren Pilzgrenzlinien von gestocktem Ahorn- und Buchenholz für ihre gedrechselten Gefäße oder Skulpturen.


Eines ist wichtig: Dieser spezielle Pilzbefall beeinträchtigt im ersten Stadium nur unwesentlich die Festigkeit des Holzes und kann bei niedrigen Holzfeuchtewerten nicht mehr weiterwirken. Das Holz ist somit für eine Weiterverarbeitung geeignet.

Weißfäule: Zerstörtes Lignin

Weißfäule ist eine in Laubhölzern anzutreffende Farbveränderung mit den charakteristischen fleckigen Bleichzonen. Sie ist auf verschiedene Weißfäulepilze zurückzuführen. Das Holz wird hierbei durch die Zerstörung des braunen Lignins zonenweise aufgehellt, es kann auch zu weißlichen, gesprenkelten Verfärbungen kommen. Die Holzsubstanz zeigt aber längere Zeit noch keine Veränderung des inneren Zusammenhangs und wird nur leichter, faseriger und stockig.

Pilzgrenzlinien: Lebendige Optik

Eingefasst werden die Bleichzonen der Weißfäule in der Regel von den sich herausbildenden braunen bis schwarzen Pilzgrenzlinien unterschiedlicher Breite, die durch Ablagerung und Anhäufung von feststrukturiertem dunklem Pilzmyzel oder auch durch Oxidation von Nebenprodukten der abgebauten Zellwand entstehen. Die melaninhaltigen Linien mit ihren unterschiedlichen Farbausbildungen und ihrem unregelmäßigen, oft parallelen Verlauf verleihen dem Holz zusammen mit den hellen pilzbefallenen und dunklen nicht angegriffenen Partien ein geädertes und geflecktes Erscheinungsbild, das nach der Oberflächenbehandlung ein marmorartiges Aussehen erhält.

Das kennt man: Blaugraue Holzverfärbungen

Ein besonders häufig auftretendes Schadensbild durch Pilze ist die sogenannte Bläue, bei der es sich um eine zonenweise Verfärbung des Holzes handelt, die sich nicht auf die Stabilität auswirkt. Die blaue Erscheinung des Holzes kommt aufgrund des Durchschimmerns der durch Melanineinlagerungen dunkel gefärbten Hyphen der Bläuepilze zustande und ist daher ein durch Lichtbrechung hervorgerufener optischer Effekt.

Die Holzsubstanz wird kaum angegriffen

Da die holzverfärbenden Pilze die Holzsubstanz nicht direkt oder kaum angreifen, ist eine Weiterverarbeitung von pilzmodifizierten Hölzern möglich und ganz im Sinne einer breiteren und nachhaltigen Nutzung der Ressourcen des Waldes. Die in der Natur entstandenen oder gezielt gesteuerten Verfärbungen durchziehen das gesamte Holz, sind sehr resistent gegenüber Umwelteinflüssen und werden heute als bewusstes Gestaltungsmittel eingesetzt.

(Text von Hans Michaelsen, gekürzt)

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In der 52. Ausgabe des Drechsler Magazins | Herbst 2020 wurde meine Werkstatt vorgestellt.














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